Wer ist Schuld? Der Kapitalismus...

Warum gibt es Hunger? Warum Krieg? Warum gibt es Elend? Warum werden mache Menschen dikriminiert und ausgegrenzt? Warum werden Menschen ohne deutschen Pass abgeschoben? Warum zu Hölle passiert überall so viel scheiße? Das kann doch nicht nur an einer riesen Menge böser Menschen liegen.

Es gibt so viele Fragen, zu so vielen Problemen in der Welt. Oft erwischt man (ich fänd personalisiert und auf man verzichten echt besser… – ich finds besser so) sich dabei, wie man einfach nur kapitulieren will vor dieser Fülle. Nicht nur das sie einen im eigenen Leben überwältigen.

Was soll später aus mir werden? Habe ich eine Chance in dieser Gesellschaft zu bestehen?

Anderswo kommen noch Krieg, Hunger und sklavenähnliche Arbeitsbedingungen dazu. Wir wollen das gerne einordnen, auch weil wir selber oft vor den gleichen Problemen stehen.

Warum muss ich morgens zur Arbeit? Wieso habe ich am Ende des Monats immer zu wenig Geld? Warum habe ich so wenig Freizeit und soviel Stress? Warum gibt es so wenig Sicherheit und Perspektiven für meine Zukunft? Warum geht es anderen noch beschissener als mir? Warum verhungern sogar Menschen trotz Überfluss?

Es ist kein Zufall, dass Menschen, obwohl sie arbeiten oft zu wenig Geld haben. Und zwar nicht bloß diejenigen, die aus verschiedensten Gründen keine volle Stelle haben können, sondern auch dass Menschen die Vollzeit arbeiten keine Zeit für sich und andere und trotzdem keine Kohle haben.

Aber warum ist das so?

Um das verstehen zu können müssen wir uns fragen: warum und wofür wird hier eigentlich gearbeitet und produziert? Und dabei wird schnell klar: Hier wird produziert, um einen Gewinn einfahren zu können. Also einen Betrag für das Produkt zu bekommen, der höher liegt als das, was in dieses an Produktionskosten investiert wurde. Dieser Gewinn soll dann im Idealfall möglichst hoch ausfallen.
Denn: Ohne die Chance am Ende einen Gewinn mit dem eigenen Produkt  zu machen, startet kein Mensch eine Produktion. Ein Grundübel dieser Gesellschaft ist also, dass die Produktion des gesellschaftlichen Reichtums nicht in erster Linie das Ziel hat die Bedürfnisse von Menschen zu befriedigen. In erster Linie soll Gewinn gemacht werden und deshalb muss für Produkte auch bezahlt werden. Nur weil ein Mensch Hunger oder Durst hat, Kleidung oder eine Wohnung braucht, bedeutet dies noch nicht, dass er oder sie diese auch bekommt. Vielmehr muss erstmal über das nötige Kleingeld verfügt werden.

Aber warum gehen dann nicht alle ein bischen arbeiten und kaufen sich was sie brauchen?

Auch das ist nicht so einfach im Kapitalismus. Also der Produktionsweise in der immer ein Gewinn produziert werden muss. Denn die einzelnen Produzent*innen stehen auch noch in Konkurrenz miteinander. Sie müssen also ständig niedrigere Preise anbieten und trotzdem noch Gewinn machen. Das geht natürlich nur, wenn sie auch ständig effizienter produzieren können, niedrigere Löhne zahlen, die Angestellten länger und schneller arbeiten lassen oder durch technischen Fortschritt menschliche Arbeit immer weiter überflüssig machen. Es ist notwendig, damit die Produkte billig produziert werden können. Gleichzeitig führt das aber dazu, dass immer mehr Menschen gar keinen Lohnarbeitsplatz finden, weil andere immer mehr und schneller arbeiten müssen.
Denjenigen, die gar keine Arbeit haben, geht es noch schlechter, weil man in dieser Gesellschaft nur gegen Arbeit Geld bekommt. In Deutschland bekommen Menschen dann vielleicht noch Stütze – aber schon an dem Wort lässt sich erkennen, dass es mehr als das eben auch nicht ist.
Davon ausgenommen sind diejenigen, die nicht jeden Drecksjob annehmen wollen, oder solche ohne deutschen Pass.
Die einen haben also keine Zeit, wenig Geld und viel Stress. Meistens haben diese Menschen dazu noch Angst um ihre schlechtbezahlte Arbeit, davor sich und ihre Familien nicht versorgen zu können, um ihre Gesundheit, um ihre Sicherheit.
Die anderen haben nicht mal Geld und große Existenzsorgen. Woanders verhungern die Menschen einfach.
Dass es Hunger, Armut und Leistungszwang auf dieser Welt gibt, ist eben kein Zufall oder ein Einzelproblem, sondern das hat System.

Warum gibt es dazu noch Ungleichheiten zwischen Männern und Frauen? Warum gibt es Gewalt gegen Menschen die keine Männer sind? Warum machen meistens Frauen die Hausarbeit?

Aus dieser eben beschriebenen Produktionsordnung resultieren auch noch ganz andere Probleme. Was ist denn mit Bereichen, die sich nicht gewinnbringend organisieren lassen? Was ist zum Beispiel mit der Altenpflege? Arschabwischen geht irgendwann einfach nicht mehr schneller. Da gibt es nur die Möglichkeit die Löhne zu senken. Oder gleich gar keine zu zahlen. Das nennt sich dann häusliche Versorgung und bleibt wie die Aufzucht von Kindern in dieser Gesellschaft meistens an Frauen hängen.
Ohne diese unbezahlte Arbeit durch Frauen wäre diese Produktionsweise nicht denkbar, denn gerade die nicht gewinnbringenden Tätigkeiten sind für die Reproduktion dieser Gesellschaft notwendig. Also Kinder erziehen, Kochen, Wohnung putzen, Wäsche waschen usw.
Die systematische Ausgrenzung von Frauen von einflussreichen Positionen in dieser Gesellschaft hat also auch damit zu tun, dass es eine Gruppe von Menschen geben muss die die Drecksarbeit macht.
Das lässt sich aber nicht nur durch die Produktionsweise erklären. Dafür ist auch eine jahrtausende alte Herrschaft von Männern über Frauen verantwortlich. Das Patriarchat.
Dieses funktioniert wunderbar mit der kapitalistischen Produktionsweise, da es Männern zumindest ein angenehmeres Leben ermöglicht, und gleichzeitig die Reproduktion am Laufen hält. Deshalb schlägt Frauen, die diese Ordnung offensiv in Frage stellen, oft Hass entgegen. Eines der aktuell bekanntesten Beispiele ist die UN-Rede von Schauspielerin Emma Watson, die – wie es andere Feministinnen auch kennen – nach der Veröffentlichung mit Hasstiraden und Gewaltandrohungen überzogen wurde.

Und was ist mit Menschen, die nicht eindeutig im zweigeschlechtlichen System verordnet werden können? Sie stellen schon allein durch ihre Existenz die Teilung in Männer und Frauen in Frage und sind in dieser Gesellschaft von massiver Ausgrenzung bedroht.

Dass Frauen systematisch weniger bezahlt bekommen. Dass an Frauen die Hausarbeit neben der Lohnarbeit hängen bleibt. Dass Frauen und andere Menschen, die sich nicht als Männer definieren, ständig Angst vor Übergriffen und Ausgrenzung haben müssen.
Das alles ist kein Zufall, sondern Ausübung von Herrschaft über eine Gruppe von Menschen, deren unbezahlte Arbeit dieses Wirtschaftssystem braucht.

Und was hat das alles jetzt mit dem 3. Oktober zu tun? Warum demonstrieren wir heute gegen Deutschland, wenn wir doch eigentlich was gegen Kapitalismus und Patriarchat haben?

All die eben beschriebenen Vorgänge, Abläufe und Maßnahmen wären ohne Staaten im Allgemeinen und Deutschland im Besonderen nicht möglich. Der deutsche Staat sichert das Eigentum an den Produktionsmitteln durch Justiz, Polizei, Gefängnisse, Erziehung und andere Disziplinierungen. Weil Fabriken, Wohnungen und Infrastruktur im Eigentum von Privatleuten sind verhindert er damit, dass eine andere Art zu wirtschaften eingerichtet werden kann. Darüber hinaus setzt der Staat mit Gewalt durch was die kapitalistische Wirtschaftsweise voraussetzt.
Er kürzt Hartz IV, wenn Menschen Arbeit oder Fortbildung verweigern. Er verpflichtet uns zur Schule zu gehen um für den Arbeitsmarkt ausgebildet zu werden.
All das macht er aber nicht weil er der böse kapitalistische Staat ist, sondern weil er davon abhängt, dass die kapitalistische Wirtschaft in seinem Land floriert. Denn nur dann bekommt er Steuern und ist handlungsfähig. Kann also Kriege führen oder auf andere Weise Märkte und Ressourcen anderer Länder ausbeuten.
Aus dem gleichen Grund kürzt er auch ständig im Sozial- und Bildungsbereich. Was nicht unbedingt nötig ist und der Wirtschaft nützt, wird aussortiert. Zeit haben beim Studium? Weg! Kündigungsschutz? Weg! Sozialer Wohnungsbau? Weg!
Deutschland nervt, triezt und kürzt wo es nur geht und wo es die Leute in den Verwertungskreislauf zwingt.

Warum werden Menschen ohne deutschen Pass abgeschoben? Warum ertrinken Tausende im Mittelmeer? Warum ist es keine Selbstverständlichkeit Flüchtlinge aufzunehmen, die vor Krieg, Hunger, Verfolgung und Naturkatastrophen fliehen?

Das Prinzip „nützt es oder nützt es nicht“ legt der Staat an all seine Handlungen an. Also auch dann wenn Menschen hierher fliehen, die aus Gegenden kommen, in denen ein noch restriktiverer Staat herrscht. Ein Staat der sich nicht einmal Hartz IV leistet und mit Widerstand noch gnadenloser umgeht. Sind diese Flüchtlinge gut ausgebildet, lässt er sie vielleicht rein, lässt sie dann aber trotzdem noch spüren, dass sie nicht dazu gehören.
Sind sie nicht sonderlich nützlich für die deutsche Wirtschaft und wollen aus humanitären Gründen hier bleiben? Dann versucht Deutschland alles, um sie wieder los zu werden. Oder tut alles dafür, dass sie gar nicht erst hierher gelangen.
Dass also massenhaft flüchtende Menschen im Mittelmeer sterben oder aus Deutschland in Krisenstaaten abgeschoben werden ist nicht nur das böse Spiel einiger Innenminister hust Arschlöcher hust. Es ist die Konsequenz einer Politik die Menschen in für die Wirtschaft nützliche und unütze einteilt.

Aber könnte man denn nicht den Staat auch dazu nutzen etwas zu verändern? Könnte man nicht einfach die richtigen wählen?

Das politische System des Staates, in dem wir leben lässt uns in dem Glauben, dass all das, was wir  eben beschrieben haben, auf gesellschaftlichem Konsens beruht. Denn es gibt ja Menschen, die in Vertretung anderer die Bedürfnisse der Menschen  aushandeln. Und es gibt sogar Parteien, die sich auf die Fahne  schreiben, christlich, sozial, ökologisch oder freiheitlich handeln zu  wollen.
Doch  kommt es unter rot-grün zu Hartz4, zu Abschiebehaft,  Geschlechterungerechtigkeit und vielen Schweinereien mehr. Und die  Linkspartei kürzt sozialen Wohnungsbau in Berlin.
Unterliegen die Parteien der Regierungsverantwortung oder sind sie im Kampf um diese müssen sie sich den beschriebenen objektiven Zwängen unterwerfen. Denn nur die Politik die auch Steuern einbringt, lässt eine Regierung handlungsfähig sein.

Na gut, dann sind Staat und Kapital systematisch schlechte Organisationenzusammenhänge. Aber wie hängt das mit rassistischen Übergriffen zusammen? Warum werden Obdachlose zu Tode geprügelt? Warum werden sogenannte Behinderte zum Schimpfwort? Und warum sind bei all dem Schlechten in der Welt so viele Menschen Fans ihres Staates, ihrer Nation?

Das Verrückteste ist doch eigentlich das Verhalten von vielen Menschen die unter diesem System zu leben und zu leiden haben. Den meisten ist dieser Umstand ihrer Unterdrückung nämlich gar nicht so richtig bewusst. Die Unsicherheiten und Zumutungen, die ihnen Staat und Kapitalismus aufbürden, bringen sie nicht dazu aufzubegehren. Zumindest nicht gegen Staat und Kapital. Viele suchen sich lieber ihre Feindbilder in denen, die diese Gesellschaft sowieso schon ausgrenzt.
Dabei sind sie sich auch nicht zu schade einen positiven Bezug auf die sie unterdrückenden Verhältnisse herzustellen: Bei der Fußball-WM oder – wie morgen – der Einheitsfeier werden sie schwarz-rot-gold bejubeln.
Durch eine Gemeinschaft die sie Nation nennen, verklären sie den Staat zu einer Art Schicksalsgemeinschaft. Diese ebnet die existierenden Unterschiede ein – zwischen denen die arbeiten müssen um zu überleben und denen die produzieren lassen. In ihr gibt es scheinbar keine Unterschiede, sondern nur Deutsche. Die Nation bietet damit Halt in einer Welt in der es eigentlich keine sichere Zukunft gibt.
Es ist aber nicht nur der Wunsch zu einer sicheren Gemeinschaft, der vielen die Identifikation mit der Nation nahelegt. Es ist auch die Einsicht, nicht ganz am Ende der Hackordnung zu stehen. Also auch ein bischen von dieser Gesellschaftsordnung zu profitieren. Denn: Ein Job mit einem Auskommen, das einigermaßen zum Leben reicht, ist immer noch besser als gar keiner. Auch für’s eigene Gefühl und für’s Ansehen.
Das gilt es für den deutschen Kleinbürger zu verteidigen. Gegen alljene denen es noch schlechter geht. Gegen Nicht-Männer und Nicht-Deutsche, gegen Erwerbslose – gegen vermeintlich Schwächere, die es zum Glück immer noch gibt. Es kommt zu rassistischen Ausschreitungen, zu häuslicher Gewalt und zu antisemitischen Übergriffen. Der deutsche Kleinbürger fühlt instinktiv, dass dort wo die anderen stehen eigentlich genauso gut er stehen könnte.
Weil es dieser Gesellschaftsordnung einfach egal ist was die Bedürfnisse der Menschen sind.
Diese Gesellschaftsformationordnung bedeutet schlicht und einfach: Armut, Ausgrenzung, Leistungszwang