Hedonismus als linksradikaler Politikansatz

Seit geraumer Zeit tummeln sich in dem bunten Allerlei welches unter dem Begriff »linke Subkultur« begrifflich fassbar gemacht werden kann, sogenannte »hedonistische« Gruppen, deren erklärtes Ziel »Freiheit, Freude, Lust und Genuss« darstellen und die Wert darauf legen festzustellen, dass auch linke politische Aktionen Spaß machen können und sollten. Letzteres soll in der Regel durch das Abspielen von elektronischer Musik in adäquater Lautstärke, Tanzen und ggf. exzessiven Drogenkonsum gewährleistet werden.
Da wir uns heute auf einer Streetparade befinden und der Ausdruck dieses Events dem eines »hedonistischen Raves« doch ungeheuer ähneln könnte halten wir es für unerlässlich ein paar kritische Worte zum politischen Konzept des Hedonismus zu verlieren.

Die Propagierung von »Lust und Glück für Alle« scheint angesichts der bestehenden Gesellschaft und ihres vorherrschenden repressiven Zwangscharackters ein emanzipatorischer Akt. Und auch für uns ist der Wunsch des Überwindens gesellschaftlicher Schranken und das Streben nach einem »besseren Leben« eines der zentralen Elemente die zu einer Situation des Bruchs führen und die Revolte gegen das Bestehende veranlassen können. Auch gegen Tanzen und laute Elektro Musik haben wir nichts einzuwenden. Doch auch für hedonistische Raves gilt das, was für alle anderen Aktionsformen gilt: Die Aktion ist stets nur so gut wie die hinter ihr stehende Gesellschaftsanalyse. Und die ist im Falle der »Hedonist International« leider ziemlich mangelhaft.

Die »Hedonist International« und die ihr zugehörigen Gruppen (insofern sie sich des Manifests verpflichtet fühlen) blenden die Totalität kapitalistischer Gesellschaft aus und entwickeln keinen kritischen Begriff der »Freiheit« innerhalb kapitalistischer Gesellschaften. »Spaß haben« wird zum Selbstzweck und »technischer Fortschritt« kritiklos zu »emanzipatorischen Potential«. Doch sowohl die bürgerlichen Individuen als auch die Dinge, welche sie konsumieren sollen und erst recht der »technische Fortschritt« sind innerhalb ihrer gegenwärtigen kapitalistischen Beschränktheit zu reflektieren.

Bereits Herbert Marcuse formulierte auf dieser Grundlage eine grundsätzliche Kritik des Hedonismus: »In dieser Form der Gesellschaft kann die Welt, wie sie ist, zum Gegenstand des Genusses nur werden, wenn alles in ihr, Menschen und Dinge, so hingenommen werden, wie sie erscheinen, ohne daß ihr Wesen (…) dem Genießenden gegenwärtig werden.«

Technischer Fortschritt ist im Kapitalismus immer dem Primat der höheren Verwertbarkeit unterworfen und somit nicht einfach in eine nicht-kapitalistische Gesellschaft übertragbar. Ähnlich verhält es sich mit der Freiheit, die im Kapitalismus keine unbedingte ist, sondern der Selbstverwertung des Individuums unter den Prämissen des freien und gleichen Tausches dient. Die HedonistInnen flüchten in die beschränkten Möglichkeiten des Genusses welche die bürgerliche Gesellschaft bietet und laufen somit Gefahr die Verhältnisse zu verfestigen anstatt an deren Überwindung zu arbeiten.

Die HedonistInnen haben recht, wenn sie Verbesserungen innerhalb der kapitalistischen Gesellschaft nicht als per se reaktionär abtun und auch der »Spaß« innerhalb dieser Gesellschaft ist nichts grundlegend falsches. Im Gegenteil, eine gute Zeit haben und das bestmögliche Leben führen sollte das persönliche Ziel eines jeden sein. Jedoch taugt »Spaß haben« als linksradikales Konzept überhaupt nichts, insofern er nicht die gesellschaftlichen Strukturen innerhalb derer die Individuen Spaß haben sollen kritisiert und als die falschen angreift. Die dafür notwendige Analyse lassen die HedonistInnen außen vor, sodass ihr »Spaß« nicht viel mehr emanzipatorisches Potential enthält als der Kaufrausch bei H&M, welcher dem ein oder anderen Individuum im Kapitalismus tatsächlich auch eine ganze Menge »Spaß« bereitet.

Dieser Idee des affirmativen »Spaß Habens« im Hier und Jetzt ist die Forderung entgegen zu halten, die Gesellschaft so einzurichten, dass sie tatsächlich von den bestehenden kapitalistischen Zwängen befreit ist – und auch »Spaß« so nicht mehr länger deformiert und eingeschränkt ist.

Darum hier heute ein weiteres Mal:
Für den Kommunismus!